1907 Bocholt. Ein Fahrradhandel. Sommer Fahrräder, Winter Kachelöfen und Nähmaschinen. Ende der 70er der Rose-Katalog: 800.000 Auflage, 1.000 Seiten, das Radsport-Shopping-Medium schlechthin. Mail Order aus dem Karteikasten unter der Kasse. Erwin Rose sollte bei der ZEG Rennräder spezifizieren, bringt italienische Stahlrahmen und wird abgekanzelt: unverkäuflich. Missverständnis: Erwin macht Räder für ernsthaften Radsport, ZEG will massentauglich. "Ich mache das, wofür ich stehe", sagt Erwin und eröffnet eine Radsport-Boutique. Custom-Made für Kunden, die 100, 150 Kilometer anreisen.
80er Nishiki Generallizenz Europa, 90er/2000er Red Bull – nicht der Energy Drink, eigene Marke mit Open Mold Rahmen aus Taiwan und Kanada. 2008 kommen Anwälte. Red Bull Austria will alle Nizza-Klassen. Marke wird abgekauft, Switch zu Rose Bikes.
Anatol Soestmann: Betriebswirt, Radsportler, 2008/2009 München Startup-Inkubator. 2010/2011 Track Bicycle Schweiz, Post-Lance-Armstrong-Ära. Posterboy gefallen, Marke muss neu verbunden werden. "Marketing interessierte mich, 10 bis 20 Stunden pro Woche auf dem Rad. Zu einem gewissen Teil verblendet, aber auf fitte Art." Fünf Jahre Track, Presscamps weltweit.
2016 Frau schwanger, zurück NRW. Rose ambivalent: "D2C-Geschäftsmodell, das alle wollten. Aber angestaubtes Image." Bewerbung: "Geschäftsmodell ist Zukunft. Müssen schönere Fahrräder machen, zeitgemäßer vermarkten. Dann doppelt so viele." Heute viermal so viel.
Problem 2016: Magazine entwickeln Testbriefe. Rose entwickelt aufs Lastenheft: Magazintest Note 1. "Problem: Du verhinderst Innovation. Testbrief gleich geblieben, wir stecken Millionen in Entwicklung."
Anatol startet Head of Marketing. Drei Jahre: Logo gestreamlined, Color und Graphics verändert, minimalistische Linie. Seit acht Jahren Design Gen München. Sieben Jahre her Director Product & Brand, gesamter Wandel: patriarchisch zu Management geführt, klassisch zu Experience-Based Design.
Teams jetzt in Erlebnissen organisiert. Tribes: Brand Manager, Produkt Manager, Marketing Manager, Content Manager, Communications Manager, Grafik Designer in einem Team. Radsport-Experiences: Race (Wettkämpfer), Adventure (Abenteurer), Adrenalin (Wagemutige). Urban: Comfort, Utility, Statement. Experience Codes: Bedürfnisstrukturen emotional wecken ohne Worte. Nur übers Produkt, Bild, Bewegtbild.
2014, 107 Jahre nach Gründung, erster Store München. Acht Jahre Pause, dann Köln, Berlin, Hamburg. Jede Millionenstadt erschlossen. Bis 2019 Custom-Made Einzelradmontage, gedeckelt 20.000 Fahrräder. Heute viermal so viele, drei Viertel Umsatz daraus. Einzelradmontage verlassen, Marke skalieren.
Anatols Mantra: "Gleichgewicht sehr wichtig. Zero esoterisch, eher kybernetisch. Kreisläufe funktionieren. Anspannung und Entspannung leben. Gutes Design ist nicht im Gleichgewicht – es IST Gleichgewicht."
Key Learnings:
• 119 Jahre: Von Kachelöfen zu Carbon • Experience-Based Design: Teams in Erlebnissen statt Kategorien • Tribes statt Hierarchie: Interdisziplinär Race/Adventure/Adrenalin • Testbrief verhindert Innovation • D2C-Geschäftsmodell: Marke direkt an Kunden • Design IST Gleichgewicht • Angestaubt zu Love Brand in 10 Jahren
Perfekt für: Designer, Produktmanager, Marketer, Radsportler, Transformations-Interessierte.
Zitat:
"Mir ist Gleichgewicht sehr wichtig. Zero esoterisch, eher kybernetisch. Kreisläufe müssen funktionieren. Gutes Design ist nicht im Gleichgewicht – es IST Gleichgewicht." – Anatol Soestmann
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